Bericht von der Crew
Am Samstag, den 11. Juli, begann unser Jugendtörn mit einer kleinen Geduldsprobe: Wegen einer einstündigen Verspätung starteten wir erst um 9 Uhr mit dem RE vom Berliner Hauptbahnhof in Richtung Warnemünde. Dort angekommen warteten wir zunächst eine Stunde im falschen Hafen, weil wir nicht wussten, wo unsere Yacht „Gecko“ lag. Erst nach einer Fährfahrt nach Hohe Düne fanden wir schließlich das richtige Boot.
Der erste Versuch, beim Einkauf Geld zu sparen, verlief ebenfalls eher mäßig: Während zwei von uns den Wocheneinkauf für sieben Personen erledigen sollten, brachten die anderen das Gepäck zur Yacht. Schnell wurde klar, dass zwei Personen mit einem Großeinkauf überfordert waren – also landeten wir am Ende doch alle gemeinsam im Edeka. Gespart haben wir dabei zwar nichts, aber immerhin hatten wir gleich unser erstes gemeinsames Abenteuer erlebt.
Die erste Nacht verbrachten wir unter freiem Himmel an Deck. Romantisch klang das vorher – in der Realität war es vor allem feucht und ziemlich ungemütlich. Eine Erfahrung, die wir nicht unbedingt weiterempfehlen würden.
Am Sonntag begann der eigentliche Törn mit einer Sicherheitseinweisung durch unseren Skipper Erhard. Wegen eines weiteren Einkaufs legten wir erst gegen 14 Uhr ab. Nach einem kleinen, etwa 20-minütigen Umweg aufgrund einer kurzen Unaufmerksamkeit kreuzten wir erfolgreich Richtung Norden und erreichten nach rund fünf Stunden bei Sonnenuntergang den Hafen von Gedser in Dänemark. Den gelungenen Auftakt ließen wir bei einem leckeren Curry ausklingen.
Am Montag hieß es bereits um 8:30 Uhr „Leinen los“. Es folgten zehn Stunden Segeln – mit genau einer einzigen Wende. Der Wind drehte den ganzen Tag über zu unseren Gunsten. Gegen Abend schlief er allerdings komplett ein. Die Gelegenheit nutzten wir für einen Badestopp mitten auf See. Mathilda knotete uns kurzerhand mit einem Schmetterlingsknoten eine Badeleiter – den Knoten hatten wir erst kurz zuvor gemeinsam gelernt. Während wir auf dem Wasser kochten, stand bereits fest: Die geplante Nachtfahrt würden wir trotz Flaute durchführen.
In Wachschichten fuhren wir unter Motor weiter bis nach Kopenhagen, wo wir am Dienstagmorgen gegen 6 Uhr einliefen. Besonders stolz waren wir auf das schnelle und saubere Anlegemanöver sowie auf die Passage entlang eines Verkehrstrennungsgebietes – inklusive des beeindruckenden „Kreisverkehrs“ für Schiffe.
Nach dem Festmachen wurden erst einmal Pfannkuchen gebacken, bevor wir Kopenhagen erkundeten. Nach einem Spaziergang durch die Innenstadt und einer Mittagspause mit Powernap ging es weiter zur Müllverbrennungsanlage mit Skipiste, anschließend nach Christiania und schließlich zurück zum Hafen.
Inzwischen war unser Frischwassertank fast leer. Da wir ihn im vorherigen Hafen nicht hatten auffüllen können, befanden wir uns bereits seit zwei Tagen im Wassersparmodus. Auch in Kopenhagen reichte der Wasserschlauch leider nicht bis zu unserem Tank. Also improvisierten wir und transportierten das Wasser mit leeren Plastikflaschen in einem regelrechten Staffellauf an Bord. Nach 35 Minuten bemerkte Erhard allerdings, dass wir die Flaschen versehentlich in den Abwassertank geleert hatten. Die Stimmung sank schlagartig. Nach einer kurzen Pause wiederholten wir die Aktion – diesmal in den richtigen Tank. Ein Sprung ins Hafenbecken rundete den Tag mit seinen rund 30.000 Schritten schließlich doch noch versöhnlich ab.
Am fünften Tag legten wir gegen Mittag ab und kreuzten mit der Thermik bis nach Rødvig. Zwischendurch segelten wir sogar kurz durch schwedische Gewässer. Auch wenn wir Schweden nicht betreten haben, freuten wir uns trotzdem über den kleinen Abstecher. In Rødvig fanden wir außerdem einen herrenlosen Sonnenhut, der uns fortan als treuer Begleiter durch den restlichen Törn begleiten sollte.
Am Donnerstag konnten wir endlich einmal nicht am Wind segeln. Zum ersten Mal kam der Gennaker zum Einsatz. Bei gutem Wind und etwas Welle machte das Segeln besonders viel Spaß. Am Nachmittag zog vor uns ein Gewitter auf. Insgeheim hofften einige von uns auf kräftigen Wind und einen echten Einsatz für das lange mitgeschleppte Ölzeug. Doch unser Kurs führte genau durch die Lücke zwischen zwei Gewitterzellen. Wir wurden zwar ordentlich nass, der Wind blieb aber überraschend moderat.
In der Dunkelheit segelten wir weiter Richtung Kühlungsborn und erreichten dabei den Geschwindigkeitsrekord unseres Törns: Die „Gecko“ lief zeitweise 8,4 Knoten. Kurz nach Mitternacht legten wir schließlich bei kräftigem Wellengang im Hafen an – das Anlegemanöver verlief dabei etwas weniger elegant als am Morgen zuvor in Kopenhagen.
Der letzte Segeltag begann leider ohne Wind. Die Strecke von Kühlungsborn nach Warnemünde mussten wir deshalb komplett unter Motor zurücklegen. Die Zeit vertrieben wir uns mit einer außergewöhnlich langen Runde Mensch-ärgere-Dich-nicht. Nach dem Tanken folgten ein kurzer Powernap an Deck sowie das gemeinsame Aufräumen und Putzen des Bootes.
Zum Abschluss wollten wir eigentlich grillen. Da wir jedoch keinen öffentlichen Grill fanden, landete das Grillgut kurzerhand in der Pfanne. Nach der ersten Packung Würstchen war allerdings auch unsere letzte Gasflasche leer. Gerade als wir dachten, der letzte Abend würde mit einer unfreiwilligen Diät enden, zauberte Erhard eine elektrische Herdplatte hervor – und das Abendessen war gerettet.
Eigentlich hatten wir geplant, die letzte Nacht durchzumachen. Mit reichlich Cola und Instantkaffee – von uns liebevoll „die dunkle Brühe“ genannt – hielten wir tapfer dagegen. Um halb drei siegte schließlich doch die Müdigkeit. Bereits um 7 Uhr klingelte am Samstagmorgen wieder der Wecker, damit noch Zeit für Frühstück und den letzten Bootsputz blieb, bevor wir um 9 Uhr den Zug zurück nach Berlin nahmen.
Rückblickend war der Jugendtörn 2026 für uns eine unvergessliche Woche. Wir haben viele neue Erfahrungen gesammelt, viel von Erhard und Mathilda gelernt – vom An- und Ablegen über Knoten bis hin zu Lichtzeichen – und als Crew hervorragend zusammengearbeitet. Auch wenn der Wind nicht immer so wehte, wie wir es uns gewünscht hätten, haben wir das Beste aus jeder Situation gemacht. Genau das hat diesen Törn zu einem besonderen Erlebnis gemacht.
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Gustav, Matteo, Josephine, Oskar und Selma






