Ostermontag | BYC-Speedcup

Neue Tabellenführung

Nachdem wir über Herbst und Winter immer wieder von den ambitionierten Speedcup-Läufen gelesen hatten, war klar: Ein eigener Versuch steht an. Und wann, wenn nicht am Ostermontag? Mit der Lotte, unserer J/70, die gerade erst wieder den Weg aus dem sonnigen Barcelona zurück nach Berlin gefunden hatte und nun zum ersten Mal unter Regattabedingungen in die Saison starten sollte, ging es nach einer soliden Grundlage beim Brunch im Club direkt aufs Wasser.

Die Vorhersage versprach westnordwest um 16 Knoten, in Böen bis 27, dazu Sonne und frische 12 Grad. In der Realität lag dann aber schnell klar: eher +5 Knoten auf alles.

Also Boot auf etwa 20 Knoten Setup getrimmt, Druck konsequent rausgenommen und mit rund 60 – 70 Kilo zu wenig auf der Kante los Richtung WA2. Schon auf den ersten Schlägen zeigte sich: viel Druck, gute Höhe, konstant deutlich über 6 Knoten Fahrt Richtung Kälberwerder.

Mit dem nächsten Schlag ging es tief in den „Südkanal“ an der Pfaueninsel. Klassischer Wannsee: Abdeckung, harte Böen und Dreher bis 40, 50 Grad. Dazu Ostermontags-Publikum am Ufer – und wir mittendrin, im Slalom zwischen Fähre und gleich zwei Fahrgastschiffen, natürlich genau an der engsten Stelle der Passage.

Erst südlich der Moorlake wurde es etwas sortierter. Mit Respektabstand vorbeigegangen – die Untiefen dort haben schon genug Opfer gesehen.

Mit der Rundung der Tonne 33 war der westlichste Punkt erreicht, ab da eigentlich Raumkurs. „Eigentlich“, denn die Böen lagen inzwischen deutlich über 30 Knoten, kombiniert mit ruppigen Drehern. Gennaker? Kurz überlegt, dann verworfen. Zu viel Risiko für zu wenig Kontrolle.

Auch ohne Zusatzsegel zeigte die Lotte, was geht: immer wieder Beschleunigung an die zweistellige Marke, gefühlt aber trotzdem verlorene Zeit.

Im nächsten Abschnitt dann doch der Versuch, eben diese Zeit gutzumachen: Gennaker hoch, sofort Gleiten, über 13 Knoten – genau so, wie man sich das vorstellt. Allerdings nur kurz. Hinter Imchen machten die Dreher das Ganze unberechenbar, weniger die Windstärke als die Richtungswechsel waren das Problem.

Während der Skipper gedanklich schon erste Ausstiegsszenarien durchspielte – eigentlich sollte das hier ja ein Highspeed-Ritt Richtung Spandau werden – blieb der Rest der Crew stabil auf „durchziehen“. Jessie, Noemi und Achim wollten den Lauf zu Ende bringen.

Also Plan B: hoher Kurs Richtung Spandau, Breitehorn eng nehmen, sauber durchsegeln.

Doch auch das wurde zur Belastungsprobe. Zwischen Regattatonne 5 und der roten Fahrwassertonne 4 – dem nördlichen Fixpunkt – fegte der Wind in brutalen Böen über den See, in den Spitzen an der 40-Knoten-Marke kratzend. Mehrfach schoss die Lotte in den Wind, legte sich ordentlich auf die Seite und sorgte für eine unfreiwillige Süßwasserdusche – das Mittelmeersalz war danach definitiv Geschichte. Gatow zeigte sich von seiner ruppigen Seite.

In dieser Phase wurde der Baumniederholer zum beliebtesten Trimminstrument. Irgendwann fanden wir trotz allem wieder unseren Rhythmus. Die Linie stimmte, und in der Ferne tauchten Windanna und SV03 auf – Ziel schon fast in Sicht.

Ein erster Check: gute Zeit, aber nichts für die Geschichtsbücher. Dachten wir.

Dann drehte der Wind leicht auf Nord. Plötzlich passte die Linie. Kein Verholen mehr nötig, sauber durch bis zur Schwiegermutter. Der Blick ging jetzt im Minutentakt auf die Uhr – vielleicht geht da doch noch was.

Letzter Abschnitt: tiefer Gennakergang bis zur Ziellinie, mit der klaren Ansage, sich jetzt nicht ausgerechnet vor dem Clubrestaurant auf die Seite zu legen. Der Lauf saß, das Boot lief frei – und an Land stellte sich heraus: schnellste gesegelte und berechnete Zeit.

Knapp zweieinhalb Stunden, alles andere als ein entspannter Törn. Eher ein echter Härtetest für Crew und Material. Dass es von der ganzen Runde kein einziges Foto gibt, weil zwischendurch schlicht niemand daran gedacht hat, sagt eigentlich alles über die Bedingungen an diesem Tag.

Genau das bleibt hängen: einmal durch den Wannsee bei solchen Bedingungen – und am Ende einfach anständig durchgekommen.

Und klar ist auch: Das wird nicht unser letzter Versuch gewesen sein. Die nächsten Läufe kommen bestimmt – und wir freuen uns schon darauf, unter etwas sortierteren Bedingungen noch einmal anzugreifen.

Sven

J/70 GER 468 | „LOTTE“